Was ich über Unternehmenswebsites nicht hören mag

Top 5: Was ich über Unternehmenswebsites nicht hören mag

Im Beratungsgespräch mit Gründer*innen und Solo-Unternehmen höre ich immer wieder ähnliche Aussagen zum Thema Website. Manche davon sind besonders problematisch - wegen der damit verbundenen Konsequenzen. Hier meine persönlichen Top 5 der schlimmsten:

Und schon zucke ich innerlich zusammen ....

In der Regel ist bei näherer Betrachtung das Ergebnis dieser gutgemeinten Hilfestellung nicht überzeugend. Dazu kommt zumeist noch die Tatsache, dass eine weitere Betreuung der Website gar nicht, oder nur mit fortlaufendem Bitten und Betteln, geboten wird. Reklamationen und Änderungswünsche sind häufig mit Kränkungen oder schlechtem Gewissen verbunden und werden daher oft gar nicht erst angebracht. 

Die Konsequenz: Schlecht konzipierte Websites, die keine Rücksicht auf Marketinganforderungen und/oder Zielgruppen nehmen. Die in kürzester Zeit veraltet sind, deshalb keine Freude mehr bereiten und entsprechend als Marketingwerkzeug nutzlos werden.

Die ursprüngliche Ersparnis von 800€-2.000€, die eine einfache professionell erstellte Website kosten würde, wird durch nachträgliches Umbauen/Neuinstallieren schnell zunichte gemacht. Vom Frust über eine marketingtechnisch nicht funktionierende Website ganz zu schweigen.

Diesen Wunsch kann ich verstehen! Wirklich.

Aber was viele Websitebetreiber*innen nicht bedenken: Internetuser sind durchwegs überfordert. Von der Informationsflut, von den unterschiedlichen Funktionen, vom eigenen Zeitmangel. Das führt dazu, dass sie wenig Geduld aufbringen (können/wollen), um das zu finden, was sie eigentlich suchen. 

Die Konsequenz: Finden Besucher*innen nicht sofort den gesuchten Inhalt, oder zumindest eine Navigation, die verständlich und selbsterklärend ist, klicken sie innerhalb weniger Sekunden weg und versuchen ihr Glück anderswo. Auswahl gibt's genug.

Eine unkonventionelle Website ist kein Dienst am Kunden, höchstens eine Selbstdarstellung. Okay vielleicht für Webdesigner, Grafiker*innen o.ä. kreative Dienstleister*innen - ein Eigentor für alle anderen. Einzigartigkeit sollte man mit dem Unternehmensangebot demonstrieren, das verständlich und zielgruppengerecht kommuniziert wird.

Zugegeben, für Solo-Unternehmen sind persönliche Empfehlungen zumeist das A&O für neue KundInnen.

Aber mal angenommen du wirst weiterempfohlen und jemand schaut sich daraufhin deine Website an? AHA! Was wird sich der potentielle Neukunde denken, wenn die Website im Aufbau konfus ist, das Design nach 90er Jahre aussieht und die News sind von vor 3 Monaten. Genau ...

Die Konsequenz: Der erste Eindruck ist misslungen und für einen zweiten bekommst du erst gar keine Chance mehr.

Deine Website ist deine virtuelle Auslage, gewissermaßen ein virtuelles Outfit. Lasse dort keinen Staub ansetzen und flicke Lücken oder Fehler sofort, wenn du mit deinem Unternehmen einen professionellen Eindruck erwecken möchtest.

Nachsatz: Vielleicht liegt es auch daran, dass du keinen Auftrag über die Website bekommst, weil du Kontaktmöglichkeiten versteckst wie der Osterhase bunte Eier? Telefon und Mailadresse sollten LEICHT zu finden sein, am besten auf jeder Seite und nicht erst nach einem Klick auf Kontakt oder Impressum.

*an den kopf greif* ;)

Liebe Solo-Unternehmen! BITTE werdet professionell!! Kopf aus dem Sand nehmen und den Tatsachen ins Auge sehen. Du weißt doch auch wie viele Folder/Visitenkarten du verteilst und an wen. Wird Zeit im 21. Jahrhundert anzukommen und Online-Marketing als Tool zu Kundenkommunikation zu verstehen und gezielt zu nützen.

Die Konsequenz: Wer nicht weiß, woher die eigenen Websitebesucher kommen, kann auch Maßnahmen nicht einschätzen, ob sie Traffic bringen - oder nicht. Nur weiterhin raten und vermuten - oder ignorieren - ist die beste Strategie um Zeit und Geld für nutzlose Aktionen zu verplempern.

Für jedes Unternehmen ist Marketing der zentrale Faktor, um Umsätze zu generieren. Und das sollte man nicht "so irgendwie nebenher" betreiben, sondern auch als kleines Unternehmen professionell angehen. Dazu gehört es Maßnahmen zu evaluieren, Werkzeuge zu überprüfen und Zielgruppen zu beobachten. Wenn du keine Ahnung von Marketing hast, hole dir bitte professionelle Unterstützung.

Herzlichen Glückwunsch, du bist kompetent und hast dir ein breit gefächertes Wissen angeeignet. Das setze ich mal voraus, wenn du dich selbstständig machst...

KundInnen interessiert Vielfältigkeit in der Regel nicht so sehr - weil die sind auf der Suche nach ExpertInnen, SpezialistInnen, Leuten die genau das können, was sie brauchen. Wenn sie das aufgrund der Fülle nicht gleich entdecken, sind sie auch schon wieder weg.

Die Konsequenz: Ein Bauchladen sieht nach Orientierungslosigkeit aus, nicht nach Fülle. Keiner glaubt, dass du alles gleich gut kannst - und das von sich zu behaupten ist eher kontrapoduktiv und hinterlässt einen diffusen Eindruck von Versprechungen, die nicht gehalten werden können.

Habe keine Angst dich zu spezialisieren und damit Kunden zu verlieren, die etwas anders suchen. Du wirst mit der Fokussierung auf ein Spezialgebiet (eine Methode, ein Thema, eine Altersgruppe, eine Branche, usw.) glaubwürdiger und - als nützlichen Nebeneffekt - auch für Suchmaschinen leichter auffindbar. Deine Website gewinnt durch diese Reduzierung auf max. 2-3 Spezialgebiete an Übersichtlichkeit und Besucher*innen werden dankbar aufatmen endlich das gefunden haben, was sie suchen.

Solltest du Schwierigkeiten damit haben dich auf eine Spezialität "festzulegen" hole dir für diesen Prozess Hilfe bei Coaches oder Unternehmensberater*innen. Aber lasse dir von keinem einreden was "geht". Du wirst mit dem Erfolg haben, was dein Herzensthema ist, bei deiner Lieblingszielgruppe, mit deiner bevorzugten Methode. Dorthin fließt die Energie, dort beginnt dein Licht zu leuchten und wie bei einem Leuchturm steuern die richtigen KundInnen ganz leicht auf dich zu.


Ich empfehle dir zu diesem Thema auch meine Tipps zur Konzeption deiner Website: „Arbeitet meine Website für mich?“ 6 grundlegende Fragen vor einem Website (Re)Launch

 

Kommentare   

Claudia Behr
+1 # Claudia Behr 2012-04-25 12:52
liebe claudia,

danke für diesen artikel! du sprichst mir aus der seele, und ich kann jeden punkt aus eigener erfahrung nur unterstreichen!

bg
claudia
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Alexander Wicinski
+1 # Alexander Wicinski 2012-04-26 08:14
Hallo Claudia,

Sehr gut gefällt mir bei Punkt 2 die Aussge, daß das Unternehmensangebot die Einzigartigkeit ausmachen soll.

Punkt 4 ist mir von der Formulierung etwas zu grob formuliert. Inhaltlich gebe ich dir recht, denn viele Kleinstunternehmer wollen sich mit der Thematik nicht auseinander setzen, wollen sich auf Ihre Kernkompetenz konzentrieren und stellen Marketing daher in den Hintergrund. Dein Angebot, hier zu unterstützen finde ich toll, doch mit dieser Einleitung hätte/habe ich eher ein Problem mich an den zu wenden, der sich "an den Kopf greift", weil ich/Kunde das nicht im Blut habe.
Um es nochmals zu konkretisieren, inhaltlich gebe ich dir recht, von der Formulierung her schreckt es mich etwas ab.

Trotzdem danke für den Tritt in den H***, denn mit einigen Punkten hast du mich auf ein paar wunde Punkte meiner Homepage hingewiesen, die ich sicher berücksichtigen werde.

lg, Alex
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Sabine
+1 # Sabine 2012-04-26 08:54
liebe claudia,

oh ja ja ja!! das kann ich alles nur unterstreichen. Punkt 1 ist halt oft der einstieg - bevor sie dann bei dir landen :lol: und am schwierigsten ist der letzte Punkt- weil viele noch immer glauben, sie "verlieren" Kunden wenn sie nicht ihren ganzen Bauchladen veröffentlichen. Ich habe da ganz gegenteilige Erfahrungen gemacht. Vielleicht ist jeder seiner Kunden Schmied - und die Homepage ist da ein Werkzeug dazu ...
liebe grüße!
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Salloker Claudia
0 # Salloker Claudia 2012-04-26 09:10
Hallo Alexander!
Ich mein's nicht böse, wenn ich mir an den Kopf greife :o
Das ist die pure Verzweiflung ... wenn ich sehe wie manche sich selbst im Weg stehen.

Man muss ja nicht alles können, sollte aber wissen wo man Hilfe nötig hat. Wenn ich z.B. eine schöne Illustration oder ein tolles Foto brauche fange ich auch nicht an locker selber zu zeichnen oder zu fotografieren - da würde nämlich nix Brauchbares dabei rauskommen.

Wenn die kleine Provokation den einen oder die andere aufrüttelt habe ich mein Ziel erreicht - mehr will ich gar nicht :-)

In diesem Sinne viel Erfolg allen Kleinstunternehmen, jedes auf die ganz eigene Art!

Claudia
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Salloker Claudia
+1 # Salloker Claudia 2012-04-26 09:18
Liebe Sabine,
ich habe noch bei JEDEM der sich spezialisiert hat erlebt, dass es sofort besser lief und mehr KundInnen kamen - nicht weniger. Hat ev. auch damit zu tun, dass man auch für sich selbst klarer wird ...

und dass "jeder seiner Kunden Schmied" ist ist SO WAHR - der eine hämmert halt mit dem Vorschlaghammer und der andere mit dem Schuhabsatz ;-)
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