Auf den Gipfel kommst du nicht ohne Schweiß, außer du gehst sehr langsam

Welcher Unternehmensgründer bist du? Sicherheitsbewusster Bergsteiger, oder eher abenteuerlustiger Schwimmer?

Mach dir keine Illusionen. Ein Unternehmen zu gründen ist kein Spaziergang, sondern ein Kraftakt.

Egal wie lange du dich vorbereitest, wie genau du planst und dich informierst – du wirst feststellen, dass kaum etwas so läuft wie erwartet, dass täglich neue Herausforderungen auftauchen.

Es dauert länger, kostet mehr und strapaziert deine Nerven in einem ungeahnten Ausmaß.

Als Gründer/in bist du in vielen Bereichen überfordert.

Du bist mit zahllosen Situationen konfrontiert, in denen du noch nie warst. Musst Entscheidungen treffen, für die du eigentlich nicht ausreichend informiert bist und hast vielleicht niemanden, mit dem du offen über deine Sorgen reden kannst.

40% der Neugründungen schaffen es nicht über die ersten 5 Jahre hinaus. Für die anderen 60% war es meistens auch nicht leichter. Der Unterschied liegt nur darin, dass sie verbissen an ihrer Vision festhalten. Nicht kapitulieren vor finanziellen Engpässen, nervtötenden Kunden, Misserfolgen und Rückschlägen, fehlender moralischer Unterstützung und Unverständnis seitens ihres Umfeldes.

Nein, ganz im Gegenteil! Sie entwickeln sich weiter, wachsen hinein und über sich hinaus. Menschlich und fachlich.

Versteh mich nicht falsch. Es ist nichts verkehrt daran einzugestehen, dass das „Experiment Selbständigkeit“ nicht erfolgreich war. Niemand ist ein Versager nur, weil es mit dem eigenen Unternehmen nicht klappt. Kann ja sein, dass es einfach (noch) nicht das Richtige für dich ist.

Jeder, der diesen Schritt ins Ungewisse einmal gewagt hat, hat schon großen Mut und Selbstvertrauen bewiesen.

Oft scheitert es an Selbstüberschätzung und mangelhafter Vorbereitung. Aber auch oft einfach am Timing, ungünstigen Rahmenbedingungen oder ganz banal an Änderungen im Markt, die niemand hätte vorhersehen können.

Ich selbst habe das schon am eigenen Leib erfahren. Und nicht nur einmal…

Als ich 1997 das erste Mal ein Unternehmen gegründet habe, musste ich nach kurzer Zeit einsehen, dass für mein Konzept die Zeit einfach noch nicht reif war. Ich wollte damals durchstarten als Eventmanagerin für Firmenfeiern und größere private Veranstaltungen. Heute weiß jeder wozu das gut ist. 1997 war die gängige Antwort auf meine Anfragen: „Ich habe dafür eine Sekretärin/Frau zuhause. Da brauch ich nicht noch extra jemanden bezahlen.“

Meine Berge an schönen (und zu der Zeit auch noch teuren) Drucksorten musste ich später ungenützt wegwerfen, nachdem ich mir wieder einen Angestelltenjob gesucht hatte. Neben dem finanziellen Verlust auch ein Schlag für die persönliche Motivation.

Natürlich war ich auch richtig schlecht bei der Akquise…

Ich hatte genau Null Kontakte, die mir beim Start hätten helfen können. Außerdem habe ich in die falschen Dinge investiert (z.B. teure Drucksorten in hoher Auflage und Büroequipment, das nie zum Einsatz kam). Heute weiß ich, dass ich damals persönlich und fachlich noch nicht soweit war.

Trotzdem gab ich den Traum vom eigenen Unternehmen nicht auf. Ich wusste schon mal, was ich beim nächsten Versuch garantiert anders machen würde. Z.B. nicht einen guten Job hinschmeißen, ohne einen einzigen Kunden in Aussicht zu haben.

Ein paar Jahre später hatte sich mein Interesse in eine andere Richtung entwickelt. Nach einer 1,5jährigen intensiven Ausbildung zur Trainerin für Social Skills habe ich also den nächsten Anlauf genommen und bin – diesmal neben einem Teilzeitjob - als Persönlichkeitstrainerin speziell für Back-Office MitarbeiterInnen tätig geworden.

Inzwischen gab es Internet :) Da war ich mehr in meinem Element als bei telefonischer Kaltakquise und Postwurfsendungen. Meine erste Website habe ich 2002 mit HTML und Frontpage selbst programmiert. Nach heutigen Standards ein peinlicher Design-Alptraum, aber damals war ich mächtig stolz darauf.

Ich habe mehr zufällig meine eigene Methodik entwickelt, bei der ich Märchen als Werkzeug zur Persönlichkeitsentwicklung einsetze. 2006 kamen drei dieser märchenhaft wirksamen Workshops bei einem E-Book-Verlag als Edition „coaching on paper“ heraus. Dann kam die Wirtschaftskrise… und kein einziger neuer Auftrag mehr. Meine Zielgruppe war schlagartig vom Markt verschwunden. Ich hatte nur noch meine paar Seminare am WIFI … und dafür jede Menge Sorgen.

Aber aufgeben war diesmal keine Option.

Das Motto war: Neuorientierung und back to the roots – zurück zu meiner ursprünglichen Marketingausbildung, meinem Diplom für Marktkommunikation von der Werbeakademie. Beratung zur Unternehmensgründung. Konzeption, Einrichtung und Schulung für Websites und Newsletter-Versand. Unternehmensentwicklung für Solo-Unternehmen. Sowas alles ;)

Das ist in aller Kürze meine persönliche Berg- und Talfahrt als Unternehmerin. Mit allem was so dazugehört: Begeisterung, Erfolgserlebnisse, Kreativität und persönliche Entfaltung. Genauso wie Burnout, schlaflose Nächte, Tränen und Verzweiflung.

Auch du gehst deinen ganz eigenen Weg in die Selbständigkeit.

Da gibt es die abenteuerlustigen Schwimmer.

Springst du, wie ich, gleich mal ins kalte Wasser, ohne durchdachten Plan und ohne zu wissen, was passieren wird? Gerätst dabei auch mal in den reißenden Strudel, der dich unter Wasser zieht, oder steuerst in halsbrecherischem Tempo auf einen Wasserfall zu? Damit bist du zwar - wenn alles gut geht - in kurzer Zeit am Ziel, aber auch ziemlich durchgebeutelt und zerschrammt. Oder eben ganz untergegangen. Aber was für ein Abenteuer! *gg*

Das andere Extrem sind sicherheitsbewusste Bergsteiger.

Bist du eher auf Sicherheit bedacht? Gehst du lieber sehr langsam, mit wenig Risiko? Baust auf dem Weg zum Gipfel alle 100 Höhenmeter ein Basislager und bleibst jederzeit auf dem markierten Pfad? So brauchst du zwar deine Zeit, aber dafür bleibst du unversehrt, kommst nicht aus der Puste und hast immer ausreichend Ressourcen zur Hand. Bei einem Rückschlag fällst du nicht bis ganz nach unten. Aber es geht halt echt laaangsam voran! Und manche kommen so nie am Gipfel an.

Auf den Gipfel kommst du nicht ohne Schweiß, außer du gehst sehr langsam

Wenn es nur einfacher wäre, den idealen Mittelweg zu finden. Das perfekte Erfolgsrezept.

Es wäre doch auch eine Variante langsam ins Wasser einzutauchen. Zuerst mal vom sicheren Ufer aus die Lage zu erkunden und einen Plan zu erstellen. Sich im Schlauchboot, oder zumindest mit Rettungsweste, auf den Weg zu machen. So gehe jedenfalls ich heute lieber an neue Dinge heran. Mit weniger Ungeduld. Mit mehr Erfahrung und Weitsicht. Was du als Neuling im „Gründungsbusiness“ per se ja noch nicht haben kannst.

Bist du eher der sicherheitsbewusste Bergsteiger, dann trau dich mit weniger Ballast den Gipfel zu stürmen. Für dein rascheres Vorankommen darf es auch mal eine längere Etappe sein ohne Aufenthalt für den Bau des nächsten Basislagers. Ein zügiger Aufstieg ohne Sicherheitsleine mit Haken alle paar Meter. Die steile, schweißtreibende, aber direkte Route anstelle der gewundenen gemütlichen langen Strecke.

Ja, sicher – diese gerade Route erzeugt vielleicht mehr Angst(schweiß), aber dafür ist auch das Ziel schneller in Sicht.

Glück für dich, wenn du von Haus aus ein vorausschauender Kapitän oder ein dynamischer Gipfelstürmer bist.

Ich selbst bin bereits mehrmals durch einen tiefgehenden Reflektions- und Neustrukturierungs-Prozesses gegangen. Ich möchte den letzten Unternehmens-Relaunch fast meinen 4. Gründungsdurchlauf nennen. Fokussierter, zielorientierter, gelassener und kompromissloser. Ich wünschte ich hätte das Wissen und die Erfahrung schon bei meinem ersten Anlauf in die Welt der Unternehmer gehabt. Aber dann hätte ich ja auch diese ganzen lehrreichen Erfahrungen der letzten 20 Jahre nicht gemacht, die ich heute weitergeben kann ;)

Jetzt weiß ich genau was ich gut kann, was mir nicht so liegt – und versuche mich auf die Stärken zu fokussieren und bei den Schwächen zu delegieren. Ich weiß, wann ich Geduld und Rückhalt brauche und wo ich weiterhin unverdrossen ins unbekannte Wasser springen will.

Ich habe inzwischen eine Mission gefunden, die mich motiviert und vorantreibt.

Heute will ich Gründer/innen dabei helfen, diese ganzen typischen Anfängerfehler zu vermeiden. Oder zumindest schneller damit fertig zu werden. Weniger leere Kilometer zu fahren und wertvolle Ressourcen zu vergeuden. Erfolgreich zu werden – und zu bleiben.

Ich will für JungunternehmerInnen wenn nötig eine Rettungsweste im wilden Wasser sein, oder die übervorsichtigen Gipfelstürmer vom Seil nehmen und ein wenig anfeuern. Ihnen dabei helfen den ausbalancierten Mittelweg zu beschreiten und ihre eigene Mission zu finden und zu erfüllen. In Schwierigkeiten geratene Solo-Unternehmen möchte ich auffangen und ihnen wieder eine Perspektive, eine Strategie geben.

Ich will jeden Tag Menschen begegnen, die diesen Schritt ins Ungewisse wagen und ihrer Leidenschaft folgen. Die kreativ sind, sich für ein Thema begeistern. Die sich trauen Neues zu probieren und dabei auch mal Fehler machen, aus denen sie lernen können. Menschen, die bereit sind ihr Leben auf eigene Verantwortung zu führen. Selbstbestimmt, mutig und mit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Zählst du dich schon zu dieser Gruppe? Bist du auf dem besten Weg dahin? Brauchst du Unterstützung bei der Erreichung deiner Mission?

Wo stehst Du im Moment? Wie sieht deine Berg- und Talfahrt bisher aus? Was willst du? Lass es mich wissen und schreib mir einen Kommentar. Ich bin gespannt :)

Kommentare   

Gabriele
+1 # Gabriele 2016-11-24 14:30
das ist ein sehr schöner motivierender Artikel – für die Dürrezeiten, die wir wohl alle durchlaufen :)

Liebe Grüße Gabriele
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Claudia
0 # Claudia 2016-10-22 20:47
:-) Danke dir!
Freut mich, dass ich ein wenig Motivation versprühen konnte.

Viel Erfolg für dich!
Claudia
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